25
Aug

3 im Weckla und Abenteuer im Untergrund – ein sehr familientaugliches Wochenende im Zeichen der Nürnberger Burg

– getest von Alexandra
Wow! Ein großes rundes „Oh!“ malt sich auf unsere Gesichter, als wir das Domizil in der 500 Jahre alten Kaiserstallung der Nürnberger Burg betreten. Das soll eine Jugendherberge sein? Schicke organisch geformte Lampen, die auch in einem Designhotel Platz fänden über mit Kunstleder bezogenen Couches und Sitzwürfeln oder schlichten Tischen in hellem Holz. Ein überdimensionaler „QR Code“ als Wandschmuck im Lounge Bereich. Die Zimmer geräumig, modern und vor allem durchdacht eingerichtet. Einige Zimmer verfügen über zwei Einzelbetten, die sich zu einem Kingsize Bett verbinden lassen, und alle haben einen wunderbaren Blick Richtung Altstadt oder Stadtmauer (Tipp: Nachts in den siebten Stock hinaufgehen und den Blick auf die erleuchtete City vom Gangfenster genießen.). Auch sonst zeigt sich die Stadt an der Pegnitz von ihrer schönsten frühlingshaften und vor allem familienfreundlichen Seite. Wir sind schließlich mit Anhang hier.

Als erstes werden die roten Sandsteinfelsen am Fuße der Burg ausgiebig beklettert. Dann lassen sich die Kids aber doch zu einem Besuch des „kleinsten Science Centers der Welt“ im Turm der Sinne überreden. Im historischen Stadtmauerturm dreht sich alles um die menschlichen Sinne: Wie entstehen optische Täuschungen? Wo auf der Zunge schmeckt man salzig, süß oder bitter? Wie hängen Hören und Sprechen zusammen und warum verliert man auf einem Bein stehend das Gleichgewicht, wenn die gestreifte Wand, vor der man steht, zur Seite geschoben wird? Alles kann untersucht und ausprobiert werden. Als Souvenir empfiehlt sich der allen drei Kindern gekaufte „Furzschleim“ aber nur Eltern mit eisernen Nerven. Danach geht’s in den Nürnberger Untergrund. Bei der Kinderexpedition „Weißes Gold und Wasser des Lebens“ muss einem Kellergeist in den weitverzweigten, alten Felsengängen ein besonderes Wässerchen zum Brauen besorgt werden. Nur so kann er seinen „Körper“ zurückbekommen und wird als Geist wieder sichtbar. Eine zugegebenermaßen etwas hanebüchene Geschichte, die aber die Kinder auf Trab hält und nebenbei noch einiges zur Stadtgeschichte vermittelt. Zum Beispiel die Tatsache, dass die Gänge bereits vor 600 Jahren gegraben, lange Zeit zum Brauen und anschließendem Kühlen von Bier genutzt wurden und im zweiten Weltkrieg als Bunker dienten. All das wird anschaulich demonstriert. Derweil müssen die Kids mit Helm und Weste ausgerüstet in den dunklen Gängen nach Hinweisen suchen, entdecken das „weiße Gold“ in Form einer alten Kloschüssel, angeln in Bierfässern nach Nachrichten und holen das „Brauwasser“ aus einem tiefen Brunnen. Der eine oder andere Erwachsene fragt sich zwischenzeitlich, was wohl passiert, wenn man hier den Anschluss verliert und plötzlich allein im stockdunklen Gängegewirr zurückbleibt. Kein Wunder also, dass die Gruppe so diszipliniert zusammenbleibt. „Zehn Prozent bleiben meistens unten und werden nicht wiedergefunden“, merkt unser Guide augenzwinkernd an. Mit reichlich Rauch und fröhlichem Geistergelächter endet die Tour wenig später, und irgendwie freut man sich, zurück an der Oberfläche, um so mehr am Frühlingssonnenschein. In Kellergewölben umherwandern macht wohl hungrig, deshalb gibt’s „3 im Weckla“, eine Nürnberger Spezialität (3 kleine Nürnberger Bratwürste im Brötchen). Sehr gut sind sie übrigens beim “Burgwächter“ direkt am Fuße der Burg, Richtung Innenstadt. Wirklich Hartgesottene können übrigens auch zu dieser Jahreszeit Nürnberger Lebkuchen direkt vom Stand kaufen. Sonst empfehlen wir die winzige Bäckerei gleich neben dem Altstadthof. Dort verkauft eine freundliche Hamburgerin das puderzuckerbestäubte Fettgebäck „Schneeball“, und auch die übrigen Kuchen sind durchweg handgemacht und sehen köstlich aus.

Noch nicht genug? Weitere Ideen für den Nürnberg-Besuch im Telegrammstil: Besuch des großen Hauptmarktes (geöffnet an Werktagen). Hier gibt es alles: vom schrumpfenden Gartenschlauch über Bürsten jeder Art und Größe, kitschige Mitbringsel und Schmuck – Pizza essen in der L’Osteria (Pirckheimerstraße): riesige, köstliche Pizzen. Gerne kann man die Hälften auch verschieden belegen und sich die Pizza teilen – in der Hausbrauerei Altstadthof lokal gebrautes Bier und Malzknabbereien mitnehmen (hier gibt es auch die Karten für die Führungen durch die Felsengänge).

Jugendherberge Nürnberg: 2- bis 6-Bettzimmer, alle mit DU/WC, Speisesaal, Bistro, Lounge, 9 Tagungsräume, WLAN. www.nuernberg.jugendherberge.de

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