17
Aug

Möge die Macht mit mir sein: Naturkosmetik im Selbstversuch

Ich bin ein Kind der 80er und 90er Jahre. Da galt Bräune als “gesund”. Sonnencreme wurde mit möglichst niedrigem Lichtschutzfaktor auf der Haut verteilt, maximal einmal am Tag bei ausgiebigem Sonnengenuss. Das habe ich nun davon. Die Hautärztin sagt: “Da hilft nur noch Lasern. Das geht allerdings nur im Winter und: mindestens drei Wochen Verband.”

Ich bevorzuge ja den Begriff “Sonnenflecken”, obwohl ich diesen vermutlich frei assoziiert bzw. der Astronomie entlehnt habe. Die Kosmetikindustrie spricht leider von Altersflecken und rückt ihnen gerne mit besagtem Laser zu Leibe.

Auf dem NaturkosmetikCamp im Juni in Oberjoch bei Bad Hindelang lausche ich dem Vortrag einer Dame, die sich hauptberuflich mit Algen beschäftigt und deren außergewöhnliche Inhaltsstoffe  (Vitamin C, Selen, Zink, Mineralien…) und besondere  Eigenschaften (UV-abweisend, feuchtigkeitsbindend, Sauerstoff produzierend) hervorhebt. In der Kieler Bucht betreibt Inez Linke von Oceanbasis mit weiteren Meeresbiologen eine nachhaltige Algenfarm. Das Ergebnis ist eine wissenschaftlich kontrollierte Naturkosmetik aus der Laminaria-Alge und die soll, so eine weitere Kollegin von Oceanwell, sogar bei Sonnen-, äh, Altersflecken helfen. Geduld sei dabei allerdings gefragt, da der Effekt über die langsame Regeneration der Haut eintritt. Unnötig zu erwähnen, dass die Creme nun in meinem Badezimmer steht. Power aus der Natur statt ärztliches Lichtschwert  – möge die Macht mit mir sein!

Was gab es noch auf dem NaturkosmetikCamp?

Vor allem hat uns die kollegiale Stimmung begeistert. Alle möchten voneinander lernen und sich inspirieren lassen. Branchengrößen wie Primavera ließen uns an ihrem Erfahrungsschatz teilhaben.  Die Firmenzentrale im Allgäu, die nach Feng Shui Prinzipien gestaltet wurde und von einem riesigen Rosen- und Kräutergarten umgeben ist, atmet förmlich die Leitgedanken natürlicher Kosmetik. Auch interessante kleine Hersteller mit großartigen Ideen und Pioniergeist waren vertreten. Munich Grooming zum Beispiel plant eine eigene  Männer Beauty Linie. Entstanden ist die Idee der Neueinsteiger, weil es im Naturkosmetikbereich kaum hochwertige Produkte für die Herrenwelt gibt. Start-up Unternehmerin Tanja Zidon von Badehaus Kosmetik sitzt am schönen Bodensee und hat das familiäre Immobilienschmuckstück für den Firmennamen und -auftritt gewählt. Seit 15 Jahren entwickelt sie Produkte nach Familienrezepten und im Austausch mit Fachleuten für den Privatgebrauch. Nun will sie mit einer eigenen Naturkosmetikfirma an den Start gehen. Das sind Clarissa und Benedikt Häring längst. Das Familienunternehmen Von Häring produziert Naturkosmetik für private Labels. Die Schwarzwälder wollen die eigene Marke Goldkristall verstärkt nach vorne bringen. Bekannt wurden sie vor allem durch ihre Pflegepraline aus feinster Kakaobutter. In Seminaren für Profis und Laien geben Clarissa und ihr Mann ihre Erfahrungen rund um die Entwicklung und Wirkung von Naturkosmetikprodukten weiter. Auch Sandra Wieser vom Seifenkontor aus Salzburg produziert schon seit einiger Zeit Naturkosmetik, die sie überwiegend auf Märkten vertreibt. Treue Kundschaft beliefert  Sandra durchaus auch persönlich. Zum Portfolio zählen handgerührte Naturseifen und Milchbäder sowie naturbelassene Pflege für Kinder.

Egal, ob Start-Up, Ein-Frau-Betrieb, Familienunternehmen oder Branchenprimus – alle Menschen, die wir auf dem NaturkosmetikCamp kennengelernt haben, vereint ein Gedanke: Mit und von der Natur lernen, ihre Vielfalt nutzen und diese bewahren.

Über uns: Zur Naturkosmetik kamen meine Kollegin Andrea und ich mehr durch Zufall. Andrea hatte schon immer ein Faible für schöne Kosmetik. Außerdem war sie für verschiedene Wellnesshotels tätig. Ich schlug mich mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten herum, begann, auf Inhaltsstoffe zu achten und die Berichterstattung in den Medien und auf Blogs zu verfolgen.

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